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Die Galerie im Turm

1998 wurde der Turm vom Land Niederösterreich der Künstlervereinigung kunstaspekt als Ausstellungsraum zur Verfügung gestellt. In der Galerie im Turm zeigt der Verein seither regelmäßig Ausstellungen – sowohl mit Arbeiten seiner Mitglieder als auch mit Projekten zahlreicher Gastkünstler:innen. So hat sich der historische Turm zu einem lebendigen Ort zeitgenössischer Kunst entwickelt.

Die hellen, lichtdurchfluteten Räume verbinden historische Substanz mit moderner Architektur. Eine zeitgemäße Glaskonstruktion über dem Stiegenaufgang öffnet den Raum zum Himmel und lässt das Tageslicht in faszinierenden Reflexen auf Wände und Kunstwerke fallen. So entsteht ein unverwechselbares Spannungsfeld zwischen Geschichte und Gegenwart – ein Ort, der Kunst nicht nur zeigt, sondern erlebbar macht.

Die Geschichte des Turms

In der „Badener Rundschau“ vom 8.8.1996 konnte man in der Kolumne „Kultureinblicke“ von Leo Willner unter dem Titel „Der alte Turm von Leesdorf“ folgendes lesen:

 

Die neue Badener Bezirkshauptmannschaft ist keine der üblichen Tintenburgen des 20. Jahrhunderts, sie ist aus vielerlei Gründen anders. Eine Andersartigkeit stellt der in die Baulichkeit integrierte alte Turm dar, der bis zum Baubeginn der Bezirkshauptmannschaft nur den Leesdorfern bekannt gewesen sein dürfte. Das schindelbedeckte, ruinenhafte Bauwerk führte seit vielen Jahrzehnten im verwilderten nordöstlichen Winkel des ehemaligen Meierhofes von Schloss Leesdorf eine Art „Dornröschen-Dasein“. Dass das, auch „Melkerturm“ genannte Bauwerk, aus der Barockzeit (17. Jahrhundert) stammt, haben 1992 Schüler des zweiten Aufbaulehrganges der Badener Malerschule, im Rahmen ihres Revitalisierungsprojektes „Melkerturm“ unter der fachkundigen Leitung ihrer Lehrerin DI Dietburga Huber einwandfrei festgestellt. Ihre damaligen wissenschaftlich untermauerten Erkenntnisse wurden sogar vom Denkmalschutzamt anerkannt, welches den Turm als „erhaltungswürdig“ einstufte.

 

Es ist dem Land NÖ und dem Architektenduo DI Zellhofer und DI Ortner zu danken, dass sie in ihren Planungen den alten Turm miteinbezogen.

Bezirkshauptmann Mag. Richard Wanzenböck war sich nicht im Klaren, ob im renovierten Turm ein kleines Museum über die Geschichte des Bezirkes Baden untergebracht oder ob es als kleines Cafe genützt werden soll.

Der TURM alte Ansicht_klein.jpg

In der „Chronik von Leesdorf“ des Lokalhistorikers Kurt Drescher wird berichtet: 1857 brannte der herrschaftliche Maierhof bis auf die Grundmauern nieder. Vom alten, ursprünglichen Hofe blieb nur die Umfassungsmauer stehen und der so genannte „Auslugturm“. Dieser Turm diente dem Flurwärter zur Erntezeit zum Beobachten der Felder. Da öfter Flurdiebstähle vorgekommen sein sollen, hatte man von diesem erhöhten Standplatz aus die anschließenden Felder überwachen können. Dieser Turm ist auch noch ein Zeuge des alten Leesdorf. Von 1918 bis 1920 diente er als „Beänel-Turm“ (Bienen- oder Imkerturm) wie es im Volksmund heißt. In den Jahrzehnten danach ist er nach und nach verfallen. ​

Die Rettung des Turms

Die Rettung des Turmes im Jahr 1991/92 wurde von AUSTRIA NOSTRA, einer Vereinigung, die sich die Bewahrung des europäischen Kulturerbes zur Aufgabe gemacht hat, ein Schulwettbewerb ausgeschrieben unter dem Titel: „Das Alte erhalten – die Zukunft gestalten“. Österreichs Schüler wurden aufgefordert, in ihren Gemeinden von Verfall und Abbruch bedrohte, wertvolle Objekte aufzuspüren, zu dokumentieren und sich für ihre Rettung zu engagieren.

In Baden wurde damals gerade heftig über die mögliche Schleifung des baufälligen, völlig mit Gestrüpp verwachsenen „Melkerturmes“ diskutiert. Kein Wunder, dass sich die Studenten des HTL-Aufbaulehrganges der Malerschule Baden-Leesdorf mit Feuereifer an eine Bauaufnahme und bautechnische Untersuchung des alten Gemäuers machten. Fächerübergreifend durchgeführte Ziegelanalysen brachten interessante Ergebnisse: so wurden die Substruktionsbögen der Umfassungsmauer bereits in der Barockzeit aufgemauert, während die Prägestempel der Ziegel des Turmes sowie die Dachschindeln aus dem 19. Jahrhundert stammten; ein Beweis dafür, dass der Turm nach dem Brand 1857 wiederaufgebaut wurde.

Anschließend an die Dokumentation des Bauzustandes wurden von den Studenten Pläne zur Restaurierung und Vorschläge zu einer Revitalisierung des Gebäudes ausgearbeitet. Die Ergebnisse dieser Arbeiten waren so interessant, dass das Projekt der Malerschule beim AUSTRIA-NOSTRA-Wettbewerb preisgekrönt wurde. Der damalige Leiter des Bundesdenkmalamtes, Hofrat Dr. Sailer entschloss sich die Pläne anzukaufen und den besten Vorschlag – eine Nutzung des Turmes als Ausstellungsgebäude – zusätzlich zu prämieren.

 

Manchmal werden Visionen Wirklichkeit

1997 hatte sich eine Gruppe von Malerinnen unter der Leitung von Inge Ute Brunner zur Künstlervereinigung ASPEKT zusammengeschlossen. Dieser Verein hatte sich aus der „Schule des Sehens“ heraus entwickelt, einem ab 1984 bestehenden Malkurs der Volkshochschule Baden. Nun war die engagierte Vereinspräsidentin auf der Suche nach einem geeigneten Ausstellungsraum. Das Angebot von HR Mag. Richard Wanzenböck, den inzwischen restaurierten „Auslugturm“ als Galerie zu nützen, erschien wie ein Geschenk des Himmels.

Am 9.9.1998 unterzeichnete Inge Ute Brunner ein Prekarium, in dem das Land NÖ Eigentümer den „auf dem Areal der Bezirkshauptmannschaft Baden situierten, revitalisierten ehemaligen Wehrturm der Künstlervereinigung ASPEKT zur ausschließlichen Nutzung für Ausstellungen und Vernissagen überlässt“. Mit den vielfältigen Aktivitäten der Künstler und Künstlerinnen ist damit wieder neues Leben in den „Alten Turm von Leesdorf“ eingezogen. 

DI Dietburga Huber

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